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BLICK 225Der Landesrechnungshof Rheinland Pfalz hat seinen Prüfungsbericht 2010 vorgelegt. Interessant ist in diesem Zusammenhang, dass die Prüfung aus dem Jahr 2007 stammt, also fast drei Jahre vergehen mussten, bis die Ergebnisse nun im Prüfbericht 2010 veröffentlicht wurden. Der Prüfbericht enthält in wesentlichen Teilen ein verheerendes Urteil über die Arbeit des Fortbildungsinstitutes und bestätigt damit die Kritik, die seit Jahren besonders in den Gymnasien erhoben werden, weil nicht mehr die Veranstaltungen angeboten werden, die von den Kolleginnen und Kollegen gefordert werden. Der Philologenverband hat in der Vergangenheit mehrfach auf diesen Missstand hingewiesen und immer wieder fachbezogene gymnasiale Fortbildungen gefordert, zuletzt in der letzten Ausgabe dieser Zeitung.
Unter der Überschrift „Fortbildungsangebote zu wenig bedarfsorientiert“ werden im Rechnungshofbericht die unseres Erachtens schwerwiegendsten Vorwürfe erhoben, die die Beschwerden vieler Kolleginnen und Kollegen und des Philologenverbandes aus den letzten Jahren mehr als bestätigen. Dort heißt es:
„Die pädagogischen Service-Einrichtungen orientierten ihre Fortbildungsangebote nicht immer am Bedarf der Zielgruppen, insbesondere der Lehrkräfte und Schulen. Ein geregeltes Verfahren zur Ermittlung des Bedarfs war weder bei den einzelnen Einrichtungen noch übergreifend erkennbar: Im Jahr 2007 fielen beim IFB fast 20 % der vorgesehenen Veranstaltungen aus. Nach Darstellung des Instituts war dies überwiegend auf mangelnde Nachfrage zurückzuführen. Verbindliche Arbeitsplanungen fehlten. Eine Evaluation der durchgeführten Veranstaltungen war weitgehend unterblieben. Rückmeldungen aus dem schulischen Adressatenkreis waren lediglich beim PZ (Pädagogisches Zentrum) systematisch erhoben und ausgewertet worden. Andere Erkenntnisse, z. B. aus der Evaluation von Schulen, wurden nicht hinreichend genutzt. Beim IFB entschied der zuständige Referent, ob und in welcher Form Veranstaltungen durch die Teilnehmer zu bewerten waren. Soweit Abfragen ausgewertet wurden, waren sie als Planungshilfe für das Institut wenig geeignet.“ (Rechnungshofbericht S. 123).
Im Abschnitt „Geringe Teilnehmerzahlen“ stellt der Rechnungshofbericht fest, dass im Jahr 2007 von den 2.819 durchgeführten Fortbildungsveranstaltungen des IFB 420 mit fünf oder weniger Teilnehmern stattfanden. Die Prüfer weisen darauf hin, dass in der Regel derartige Veranstaltungen unwirtschaftlich sind. Und zum Raumbedarf wird moniert, dass die IFB-eigenen Schulungs- und Besprechungsräume am Hauptsitz in Speyer durchschnittlich nur an 68 Tagen im Jahr genutzt werden. Ursächlich für den geringen Nutzungsgrad sei u. a., dass sich die Fortbildungsveranstaltungen wegen der Schulferien auf 39 Wochen im Jahr konzentrierten. Außerdem seien die Veranstaltungen ungleichmäßig auf die Woche verteilt gewesen. Mittwochs fanden nahezu doppelt so viele Veranstaltungen wie an Montagen und fast dreimal so viele wie an Freitagen statt.
Der Prüfbericht hält u.a. fest, dass generell die Abordnungen von Lehrkräften an das Institut unzureichend am Bedarf orientiert sind. So waren zum Zeitpunkt der Prüfung bei den pädagogischen Service-Einrichtungen 406 Personen eingesetzt, darunter 132 abgeordnete Lehrkräfte: Die Abordnungsdauer und die Zahl der Abordnungsstunden orientierten sich aber nicht immer am tatsächlichen Bedarf der Einrichtungen. Die überwiegende Zahl der abgeordneten Lehrkräfte war mit weniger als der Hälfte ihrer Arbeitszeit, viele davon mit weniger als vier Lehrerwochenstunden, abgeordnet. Dies erschwerte nach Auffassung der Prüfer den Arbeitsablauf für die Dienststellen und die Lehrkräfte gleichermaßen.
Insgesamt wird der nicht nachvollziehbare Personaleinsatz des IFB bemängelt. So waren im Jahr 2007 Lehrkräfte mit insgesamt 1.178 Lehrerwochenstunden an das IFB abgeordnet. Dies entsprach dem Einsatz von 47 Vollzeitkräften. Allerdings waren deren Kosten nur zu einem geringen Teil den pädagogischen Service-Einrichtungen zugeordnet. Die Haushaltsrechnung 2007 wies für die abgeordneten Lehrkräfte Personalausgaben (Ist-Ausgaben) von weniger als 150.000 € aus. Tatsächlich beliefen sich aber die Personalkosten auf insgesamt 3.350.000 €. Die den pädagogischen Service-Einrichtungen zugerechneten Ist-Ausgaben ließen somit kaum Rückschlüsse auf den Personaleinsatz zu.
Zudem nutzt das IFB nach dem Bericht neben den eigenen Räumen seit längerer Zeit unentgeltlich ein weiteres Gebäude mit insgesamt rund 700 m² mit mehreren Besprechungs- und Büroräumen. Künftig solle das IFB nun für dieses Gebäude eine Miete von rund 170.000 € jährlich zahlen, obwohl im eigenen Hauptgebäude des IFB in Speyer zwei Stockwerke mit einer Gesamtfläche von mehr als 1.100 m² leer stehen.
Der jetzt vorgelegte Bericht des Landesrechnungshofes zur Arbeit der sogenannten pädagogischen Serviceeinrichtungen (IFB) gleicht nach Auffassung des Philologenverbandes einem Skandal, denn er zeigt deutlich, dass das Fortbildungsinstitut seiner eigentlichen Aufgabe in wesentlichen Teilen nicht mehr gerecht wird. Leider sieht eine Prognose für die Zukunft nicht besser aus, denn auch die unmittelbar bevorstehende Neustrukturierung des Instituts lässt keinerlei Verbesserungen erkennen. Im Gegenteil: Die Schulart Gymnasien wird darin als eigenständige Schulart weitgehend nicht mehr vertreten sein (siehe BLICK INS GYMNASIUM -Nr. 224, Mai 2010, S.2). Wenn sich diese Situation nicht ändert, stellt sich mittelfristig die Frage, ob es nicht besser wäre, jedem Kollegen/jeder Kollegin ein individuelles Fortbildungsbudget zur Verfügung zu stellen. Dann können diese die Fortbildungen, die sie für ihren Unterricht am Gymnasium benötigen, bei anderen Fortbildungsträgern „einkaufen“. Den Rechnungshofebericht finden Sie unter: http://www.rechnungshof-rlp.de