Sie sind hier: Startseite » Verbandsbezirke » Mainz » Veranstaltungen im Bezirk » Bezirksversammlung 26.09.11

Qualität des Abiturs - Qualifikation der Abiturienten
Unter diesem Motto lud der Bezirk Mainz am 26.09.2011 zu seiner Bezirksversammlung in die Räume der Schott-AG Mainz ein. Der Einladung durch den Vorsitzenden Bernd Werner zu einer Diskussionsrunde folgten Herr Prof. Lambert (Sprachwissenschaftler an der Universität Mainz), Herr Reitz (Bundesanstalt für Arbeit. Mainz), Herr Resch (IHK Rheinhessen) und Herr von Vultejus (Schott-AG).
Einig waren sich alle Gesprächspartner darüber, dass sie von einem Abiturienten ein hohes Maß an Selbstständigkeit und Eigenverantwortung erwarten. Leider ist es in vielen Fällen nicht gegeben. So vermisst Herr Lambert von seinen Studenten vor allen Dingen Kompetenzen bezüglich der Teamfähigkeit. Seiner Auffassung nach bräuchten die Lehrer mehr Zeit, um sich individuell mit jedem Schüler auseinandersetzen zu können. Er mache die Erfahrung, dass seit dem Zeitpunkt, als seine Lerngruppen an der Universität größer geworden sind, die Schwierigkeiten der optimalen Unterstützung der einzelnen deutlich zugenommen haben. Seiner Ansicht nach sind aber auch viele Lehrbücher sowohl inhaltlich als auch didaktisch nicht auf dem neuesten wissenschaftlichen Stand.
Für die Ausbildung bei der Firma Schott sei die Persönlichkeit der Bewerber das wichtigste Kriterium, so von Vultejus, bei der Schott-AG weltweit zuständig für Aus- und Weiterbildung. Hierbei sind vor allen Dingen Eigenverantwortung, ein ausgeprägter Charakter und Persönlichkeit von Bedeutung. Diese manifestieren sich im Allgemeinen durch zusätzliche Tätigkeiten neben dem Schulalltag. Sei es das Engagement bei der Schülerzeitung, in AGs, im Sportverein oder bei sonstigen Organisationen, die Schüler sollte sich diese Tätigkeiten bescheinigen lassen und ihren Bewerbungen beifügen. Die Zeugnisnoten spielten eine nachgeordnete Rolle, obwohl ein guter Realschulabschluss als besser angesehen wird als ein schlechtes Abitur.

Herr Resch bemängelt als Vertreter der IHK ebenfalls die mangelnde Selbstständigkeit der Schulabgänger. Er sieht sich als Moderator und Vermittler zwischen dem Arbeitsmarkt und den Schulen. Den Schülern sei außerdem häufig nicht klar, welche Qualifikationen für welchen Beruf notwendig sein. Ebenso wenig wissen Sie, welche Berufe es überhaupt gäbe und welcher für sie infrage käme. Hier sieht Herr Resch noch ein deutliches Entwicklungspotential.
Auch vor dem Hintergrund der Entwicklungen im Ausland, wo die Qualität der Abiturienten permanent abnähme, befürchtet Herr von Vultejus dass sich auch in Deutschland das Gymnasium immer stärker zur "Hauptschule" entwickelt. "Es machen zu viele Abitur" unterstützt Herr Lambert von Seiten der Universität.
Zur Förderung der Qualität der Abiturienten scheint es nach Ansicht der Diskussionsteilnehmer essenziell zu sein, kleinere Lerngruppen, besser ausgestattete Schulen und mehr Zeit für die Schüler zu haben. G8 trägt dazu nach von Vultejus „nicht die Bohne“ bei.
Gut fügte sich der anschließende Bericht des Landesvorsitzenden Malte Blümke zur bildungspolitischen Situation an. Hier wurde schnell klar, dass viele Positionen des Philologenverbandes ebenso von der Wirtschaft und den Universitäten vertreten werden.
kno

Bernd Werner, Frauenlob-Gymnasium, Adam-Karrillon-Str. 35, 55118 Mainz, Tel.: 06131/612558, Tel. priv.: 06131/338405

Dr. Thomas Knoblauch, Gymnasium am Kurfürstlichen Schloß, Greiffenklaustr. 2, 55116 Mainz, Tel.: 06131/907240, Tel. priv.: 06132/7196833