87 Jahre nach der Reichspogromnacht: Gefährliches Spiel mit dem Feuer!

Die Wochenzeitung Die Zeit hat am 87. Jahrestag der Reichspogromnacht einen Beitrag abgedruckt, der erschüttert.[1] Der Schreiber ruft dazu auf, Schiller endgültig zu beerdigen und junge Menschen nicht mehr mit der vermeintlich angestaubten Sprache zu konfrontieren. Der Philologenverband Rheinland-Pfalz fragt kritisch nach: Ist damit auch die Aufklärung tot, also die Epoche, die Friedrich Schiller prägte? Nimmt man damit gleichzeitig auch Abschied von den Gedanken der Aufklärung? Was bedeutet das für den Literaturkanon insgesamt?

Es ist ein gefährliches Spiel mit dem Feuer, zu dem der Autor hier anregt. Wir halten dagegen: Aus unserer Sicht müssen wir zu einer Inhaltsorientierung bei Lehrplänen zurückkehren und etwa zentrale Werke der Aufklärung wie Gotthold Ephraim Lessings Nathan der Weise fest im Lehrplan der Schulen verankern. Es ist ein Werk, das drei der großen Weltreligionen, nämlich Judentum, Christentum und Islam, miteinander zu versöhnen strebt und heute noch Jugendliche berühren kann. Vielen Menschen ist es nicht klar, dass Christentum und Islam ihren Urgrund im Judentum haben. Hier Aufklärung zu leisten, ist unsere Pflicht als Lehrer, um so zum friedvollen Miteinander beizutragen.

Traditionen, Bücher und Ideen zu beerdigen, kennzeichnet Anfänge einer Entwurzelung, die uns bereits Anfang des letzten Jahrhunderts in das große Grauen des Antisemitismus gestürzt hat. Dummheit und Hass gingen damals Hand in Hand. Das Absenken der Leistungsanforderungen in Lehrplänen in den letzten zwei Jahrzehnten hat viel Unheil angerichtet, aber noch haben wir es in der Hand, diesem Trend entgegenzuwirken. Werke der Aufklärung in der Schule vorzuenthalten, wäre fatal – gerade auch vor dem Hintergrund eines verstärkten Antisemitismus.

 


[1] https://www.zeit.de/2025/47/lektuere-abitur-literatur-klassiker-schueler-spass, 09.11.2025.