von Cornelia Schwartz, Landesvorsitzende
In einer Broschüre schrieb das Bildungsministerium noch 2017: „Neben dem Zuwachs sprachlicher Fähigkeiten im Grundschulalter wird [mit dem frühen Fremdsprachenlernen] auch der Aufbau einer stabilen, über die Grundschulzeit hinausgehenden Motivation für das Erlernen von Fremdsprachen geleistet.“[1] Nicht überall machen wir an den weiterführenden Schulen diese Erfahrung – um es vorsichtig zu sagen.
Vom Zauber des Anfangs, den Hermann Hesse in seinem Gedicht „Stufen“ ganz allgemein besingt, konnte man früher oft einen Großteil des 5. Schuljahres hindurch zehren. Mit Beginn des Fremdsprachenlernens in der Grundschule war er rapide verlorengegangen. Es war ungleich schwieriger, sich „lähmender Gewöhnung [zu] entraffen“, wie Hesse dichtet, wenn Schüler gleich zur Begrüßung der Englischlehrerin in der 5. Klasse kundtaten: „Englisch? Hab‘ ich in der Grundschule schon gehasst!“
Aber auch abgesehen davon führten „die in der Grundschule servierten Fremdsprachen-Häppchen“, wie Ralf Hoffmann als Vorsitzender des Bildungsausschusses des Philologenverbandes schreibt, „in der Regel nicht zu Grundkenntnissen in der ersten Fremdsprache, auf denen man aufbauen könnte, sondern sind eher kontraproduktiv“.
Man könnte nun zwei Fliegen mit einer Klappe schlagen: Die Grundschulen benötigen dringend mehr Zeit für die Konzentration auf fundamentale Fertigkeiten, und wir wären froh über mehr Schwung für den Anfangsunterricht in Klasse 5. Unsere Empfehlung an die neue Landesregierung: den Beginn der ersten Fremdsprache wieder an die weiterführende Schule zurückverlegen!
[1] FREMDSPRACHEN VON ANFANG AN. Frühes Fremdsprachenlernen in der rheinland-pfälzischen Grundschule. Mainz, 2017.
