Allenfalls ein Testlauf für das neue Schuljahr: Weitere Lerngruppen an den Schulen nur mit größeren Abständen zwischen den einzelnen Phasen und unter strikter Einhaltung der Hygienemaßnahmen!

Das rheinland-pfälzische Bildungsministerium hat am 6. Mai den weiteren Fahrplan bis zu den Sommerferien bekanntgegeben: Zusätzlich zu den Jahrgangsstufen 10 bis 12 sollen am 25. Mai die Klassenstufen 5 und 6 an die Gymnasien zurückkehren. Vorausgesetzt, das Infektionsgeschehen lässt dies zu, folgen dann zwei Wochen später, also am 8. Juni, die 7. bis 9. Klassen. An Integrierten Gesamtschulen soll ähnlich verfahren werden, mit der Abweichung, dass dort die bisherige Schulöffnung bereits die Stufen 9 bis 12 umfasst.

 

Es bedeutet einen Teilerfolg des Philologenverbandes Rheinland-Pfalz, dass die weitere Schulöffnung nicht übers Knie gebrochen wird: Mit gut zwei Wochen bis zur nächsten Phase erhalten die Schulen nun doch etwas mehr Vorlauf für die weitere Planung als ursprünglich gedacht. „Es ist klar, dass die Gesundheit der Einzelnen oberste Priorität haben und die Hygienemaßnahmen dringend eingehalten werden müssen. In unseren Bildungseinrichtungen kommen tagtäglich viele Menschen zusammen, und jeder Fehler würde das Infektionsgeschehen anheizen – die mit großen Opfern hart errungenen Erfolge würde man so aufs Spiel setzen“, warnt die Vorsitzende des Philologenverbandes Rheinland-Pfalz, Cornelia Schwartz.

 

Es sind aber gerade die Hygienemaßnahmen, die die Schulen derzeit ans Limit bringen: Schon jetzt ist es eng – was die Anzahl der Klassenräume und den Platz in den Pausen betrifft. An den weiterführenden Schulen gibt es durch das Kurssystem der Oberstufe häufige Lerngruppen- und Raumwechsel, und auch im Unterricht in der zweiten (und dritten) Fremdsprache sowie im Religions- und Ethikunterricht setzen sich die Lerngruppen häufig aus verschiedenen Klassen zusammen. Es ist eine logistische Herausforderung für Schulleitungen, bei diesen Bewegungen im Schulhaus gleichzeitig noch sämtliche Corona-Hygienestandards zu gewährleisten.

 

Aus Sicht der Schulen und des Philologenverbandes hätte es genügt, Präsenzunterricht nur für die 11. und 12. Jahrgangsstufe anzubieten: So hätte man die für das spätere Abiturzeugnis erforderlichen Noten erteilen können. Viele Schulen haben schon im jetzigen Betrieb fast alle Räume verplant. Nun soll aufgrund politischer Beschlusslage die Planung ganz neu aufgerollt werden – für die Schulleitungen und alle Kolleginnen und Kollegen, die derzeit sowohl durch Fern- als auch Präsenzunterricht sowie Notbetreuung und zusätzliche Aufsichten extrem belastet sind, eine Herkulesaufgabe – von den Herausforderungen, die sich durch die aktuellen G8-Abiturprüfungen stellen, ganz zu schweigen!

 

Einen Grund gibt es allerdings, diese weitere Öffnung, falls trotz aller Widrigkeiten und in Abhängigkeit von den Rahmenbedingungen an den einzelnen Bildungseinrichtungen überhaupt möglich, mitzutragen: Die Infektionszahlen werden auch im neuen Schuljahr noch nicht bei null liegen. Das neue Schuljahr sollte allerdings nicht mit einer Testphase beginnen, sondern die Blaupause nun im alten Schuljahr entwickelt werden, damit das neue dann möglichst gut starten kann: mit kleineren Lerngruppen im wöchentlichen Wechsel, ggf. deutlich mehr Fernunterricht für ältere Jahrgangsstufen und entsprechenden digitalen Rahmenbedingungen. Die Entwicklung solcher Konzepte sollte jetzt erfolgen: Nun, im Mai und Juni, sind wir noch weit genug entfernt vom Herbst, wenn das Infektionsgeschehen laut Annahme einiger Virologen wieder an Fahrt aufnehmen könnte.

 

„Bei der Schulöffnung sollte man das Virusgeschehen tatsächlich sehr genau im Auge behalten. Um beurteilen zu können, ob es Veränderungen gibt, sind Zeiträume von zwei Wochen zwischen den einzelnen Schritten zu kurz. Das Gesundheitsamt meldet zwei Wochen nach einer weiteren Öffnung allenfalls die ersten Neuinfektionen, die auf die vorherige Öffnung hin erfolgt sind. Das Geschehen an sich lässt sich da noch nicht abschätzen“, so Schwartz. „Der Philologenverband plädiert daher unbedingt für einen größeren Abstand von mehreren Wochen zwischen den einzelnen Phasen. Notfalls müssen weitere Schritte auch wieder ausgesetzt und im Extrem die gesamte Schulöffnung revidiert werden. Wir können keiner Schulleitung empfehlen, das Unmögliche möglich zu machen – bei Bedenken im Hinblick auf weitere Schritte sollten die Schulen unbedingt die ADD zurate ziehen.“