Das Letzte: Donald Trump – der kompetenteste aller Präsidenten? Oder: Zurück zur Bildung

BLICK 334

Foto: Jochen Ring

Corona hat sie inspiriert: die Kompetenzfetischisten, die Inhaltezertrümmerer, die Bildungsentrümpler. Lautstark erklären sie unisono, dass Corona die Chance biete, „sich auf das Wesentliche zu konzentrieren“, das „Bulimielernen zu beenden“, auf das „Können statt auf das Wissen“ zu fokussieren; schließlich wüssten die Computer doch alles, es reiche, sie zu bedienen und zu programmieren zu lernen. Es müsste diesen Neoliberalen, Pseudoprogressiven und wohlmeinenden Pädagogik-Professoren, die nach ihrem Abitur nur noch selten eine Schule von innen gesehen haben, eigentlich zu denken geben, dass nach den Maßstäben, die anzulegen sie jetzt fordern, Donald Trump zum kompetentesten aller Staatspräsidenten avanciert und ihrem Idealbild des kreativen Zerstörers, der sich in der digitalen Welt überflüssig gewordener Bildungstraditionen entledigt, voll und ganz gerecht wird.

 

Dass Venezuela nicht zu den USA gehört – weiß Donald Trump nicht*, kann er aber googlen. Dass Finnland kein Teil Russlands ist – weiß er nicht* kann er aber googlen. Dass Großbritannien Atommacht ist – weiß er nicht*, kann er aber googlen. Darüber hinaus stellt der amerikanische Präsident nahezu täglich folgende Kompetenzen unter Beweis:

 

die Deal-making-Kompetenz

die Twitter-Kompetenz

die Alternative-Fakten-Konstruktions-Kompetenz.

 

Fazit: Auf der Grundlage der aktuell pädagogisch hoch gehandelten und einseitig verstandenen Kompetenzorientierung muss Donald Trump als der am besten geeignete Staatspräsident gesehen werden. Vielleicht ist die herangezogene Beurteilungsgrundlage allerdings doch nicht die angemessene …

 


*Welt.de, 18.06.2020