Philologenverband warnt eindringlich vor irreführendem Weg bei der „Schule der Zukunft“ und lädt Bildungsministerium zum Gespräch ein

„Die gestrige Ankündigung des rheinland-pfälzischen Bildungsministeriums über einen dpa-Bericht zur Schule der Zukunft beweist, wie wenig man bereit ist zur partnerschaftlichen Zusammenarbeit mit Lehrkräften. LEB und LSV werden zuvor ins Boot geholt, dann geht man mit den Ergebnissen an die Presse und erwartet, dass die Lehrkräfte hinterher alles abnicken, damit man verkünden kann, man habe die ‚gesamte Schulgemeinschaft … eingebunden‘. Ein solches Vorgehen wäre nicht weiter schlimm, sondern ‚nur‘ ein Zeichen mangelnder Wertschätzung und mangelnden Vertrauens, solange man bei der Schule der Zukunft in eine Richtung einschlüge, von der alle überzeugt wären. Allerdings haben wir Sorge, dass wir auf Irrwege geraten. Da hilft nur das Gespräch“, so die Vorsitzende des Philologenverbandes Rheinland-Pfalz, Cornelia Schwartz, und lädt die Bildungsministerin zum Dialog ein.

 

Wutöschingen als Vorbild zu nehmen, wie das Ministerium dies dem Zeitungsbericht zufolge plant, bedeutet, dass demnächst Klassenzimmer zunehmend durch Lernlandschaften ersetzt werden, Lehrkräfte zu Lernbegleiterinnen und -begleitern werden und Kinder sich weithin nur noch mit den Fächern und Themen beschäftigen, auf die sie gerade Lust haben. Dass man aber auch als Lehrer Kinder für ein Fach begeistern kann, wird dabei ausgeblendet. Dass manche gerade über die Lehrerin einen Zugang zum Fach finden, wird ignoriert. Dass das gemeinsame Lernen im geschützten Raum des Klassenzimmers unendlich wertvoll sein kann, wird beiseitegeschoben.

 

Bemerkt man dann in ein paar Jahren, dass ein derartiges Schulmodell vielleicht doch nicht das Richtige war für jeden Schüler und jede Schülerin oder jedes Themengebiet, lässt sich diese totale Umwälzung nur mit großer Mühe wieder rückgängig machen. Die Kinder, die bei diesem Versuch gescheitert sind, haben dann verloren. Daher gilt es jetzt, nicht in diese Einbahnstraße abzubiegen, sondern sinnvolle Veränderungen im Schulalltag zu etablieren, die uns allen wirklich weiterhelfen. Hierfür müsste man auf alle hören, nicht nur auf ausgewählte Strömungen, und eine Synthese finden. Sinnvoll Geld investieren hieße aus unserer Sicht, langfristig den Übergang zu kleineren Klassen und Kursen zu schaffen. Hier müsste dann nicht nur baulich, also von den Kommunen investiert werden, sondern auch die Landesregierung müsste sich bei der Verbesserung des Schulsystems finanziell beteiligen: mit der Einstellung von mehr Lehrkräften.

 

Weh tut die mangelnde Wertschätzung, die Bildungsministerin Dr. Stefanie Hubig, ihres Zeichens Juristin, der Schule entgegenbringt. Von dpa wird sie mit den Worten zitiert: „Aber die Kompetenzen, die heute benötigt werden, sind andere als noch vor 20 Jahren. Es geht heute auch um Kreativität, kritisches Denken, Zusammenarbeit oder Kommunikationsfähigkeit“. „Eine solche Aussage ist ein Schlag ins Gesicht jeder Lehrkraft“, so Schwartz. „Die Bildungsministerin tut gerade so, als wäre das etwas ganz Neues und als hätten wir noch nie Kreativität, kritisches Denken, Zusammenarbeit oder Kommunikationsfähigkeit gefördert! Das Ministerium wäre gut beraten, sich einfach einmal in ganz gewöhnlichen Schulen im Land umzuschauen, um zu sehen, dass unser Unterricht eben nicht diesem sehr engen und karikaturenhaften Bild von Schule entspricht. Es genügt nicht, sich in Briefen an Lehrkräfte und Schulleitungen in Lobhudeleien zu ergehen, wenn man draußen gleichzeitig ein absolut rückständiges Bild einer Paukschule zeichnet.“